Begegnung in der Nacht

„Kann ich dir irgendwie helfen? Du kannst doch nicht die ganze Nacht hier draußen sitzen bleiben, auch wenn es Sommer ist…“ „Ja, ich weiß ja,“ brachte sie unter Schluchzen hervor, „aber ich gehe nicht zurück zu diesem Scheißkerl und ich weiß nicht, wo ich sonst heute nacht hingehen könnte.“ Tobias überlegte kurz und bot ihr dann an, dass sie die Nacht bei ihm auf dem Sofa verbringen könne. „Ich mach dir auch einen Tee, ich glaube, den kannst Du gebrauchen.“ Sie überlegte und er konnte sehen, wie sie die Aussicht, die ganze Nacht auf einer Parkbank zu verbringen und zu einem fremden Mann in die Wohnung zu gehen, abwog. Schließlich siegte wohl sein offenes, freundliches Gesicht und sie stimmte dankbar zu.

Als sie zusammen bei einem Tee in der Küche saßen und sie schon eine halbe Packung Zigaretten aufhatte, die sie nur paffte, wusste Tobias, dass sie Sabine hieß, und ihr Freund, der immer schon sehr aufbrausend gewesen war, sie heute nacht bei einem Streit geschlagen hatte. Und richtig, jetzt fiel ihm auch auf, dass eine ihrer Wangen geschwollen war, als würde sie gerade vom Zahnarzt kommen. Irgendwann machte er ihr dann ein Lager auf dem Sofa und ging mit dem guten Gefühl, einer netten Frau geholfen zu haben, ins Bett. Als Tobias, Student aus Leidenschaft, am nächsten Morgen für seine Verhältnisse recht früh aufstand, schlief Sabine noch. Er blickte gerührt auf ihr im Schlaf ganz rosiges Gesicht und die einzelnen blonden Haarsträhnen, die sich um ihr Gesicht ringelten, während sie sich noch in ihrer Traumwelt befand.

Als er aus dem Wohnzimmer hinaus wollte, stieß er versehentlich an den Tisch und ein Stapel Zeitschriften rutschte auf den Boden. Sabine wachte auf. Zuerst sah sie sich etwas überrascht um, dann schienen ihr die Ereignisse der Nacht wieder einzufallen. Sie frühstückten gemeinsam und Tobias fiel irgendwann auf, dass sie sich mehr als nötig einander in die Augen sahen. Sie konnten gar kein Ende finden und am Ende hatten sie fast drei Kannen Kaffee getrunken und ihre Hände berührten sich beim Erzählen immer häufiger wie zufällig.

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