Begegnung in der Nacht

Sabine war erst seit zwei Monaten hier in der Stadt, ihre Heimatstadt lag etwa 300 km entfernt. Sie hatte ihren Freund, vor dem sie heute nacht geflüchtet war, über einen Chat im Internet kennengelernt und geglaubt, er sei die große Liebe. Da hatte sie sich aber offensichtlich geirrt. Tobias überlegte hin und her, dann sagte er sich, wer nicht wagt, der nicht gewinnt… „Soll ich dir helfen, deine Klamotten bei ihm rauszuholen? Du kannst gerne ein paar Nächte bei mir bleiben, bis du weißt, was du tun sollst.“ Sabine hatte hier überdies einen Job gefunden, den sie eigentlich nicht wieder aufgeben wollte und überlegte, ob sie sich nicht hier in der Nähe eine Wohnung suchen sollte.

Irgendwann kurz nach Mittag zogen die beiden los und holten Sabines sämtliche Sachen aus der Wohnung ihres Ex, während er arbeiten war. Sie hinterließ ihm einen kurzen Brief, in dem sie schrieb, dass er nicht nach ihr suchen und auch ihre Eltern und Freunde nicht anrufen solle, sie hätte sich anders arangiert und wäre für ihn nicht mehr zu erreichen. Und so zog Sabine zunächst einmal bei Tobias ein. Tobias war aufgeregt wie ein kleines Kind, als er ihr im Badezimmer, im Garderobenschrank und im Schlafzimmerschrank Platz für ihren Kram machte.

Fast fühlte er sich, als würden ihre Sachen dort hingehören und die ganze Sache sei ein planmäßiger Einzug. Abends saßen sie bei Pizza und Rotwein vor dem Fernseher und unterhielten sich über gescheiterte Beziehungen und die Missverständnisse zwischen Mann und Frau. Irgendwann lehnte sie sich mit vom Alkohol schweren Kopf völlig unbefangen an ihn und legte ihren Kopf auf seine Schulter. Er roch ihr Haar, ihr dezentes Parfum und spürte ihre Wärme. Vorsichtig legte Tobias den Arm um Sabines Schultern und zog sie eng und beschützend an sich. Sie kuschelte sich eng an ihn und in seinem Bauch begannen Schmetterlinge zu fliegen. Tobias rief sich zur Ordnung, sie suchte nur Schutz nach einer großen Enttäuschung, er durfte das jetzt nicht zu persönlich nehmen.

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